Fortbildung Autismus · Tag 2
Neurodiversitätsaffirmative Beratung für autistische Erwachsene
Was Sie heute erwartet
Masking, Burnout, Identität – drei zentrale Themen in der Beratung autistischer Erwachsener. Wir schauen auf das Double Empathy Problem (Milton, 2012) und warum das Defizit nicht bei der Klient:in liegt; auf autistisches Burnout als eigenständiges Phänomen (Raymaker et al., 2020); und auf den konkreten Weg von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Beratungsplan bei Spektrum Münster.
Wissenschaftlich fundiert · Community-orientiert · Autismusgerecht
Milton, D. E. · 2012
Kommunikationsprobleme zwischen autistischen und nicht-autistischen Menschen entstehen beidseitig – nicht durch ein Defizit auf einer Seite. Das „double empathy problem" beschreibt einen Bruch in der wechselseitigen Verständigung zwischen zwei unterschiedlich disponierten Akteur:innen.
"A disjuncture in reciprocity between two differently disposed social actors which becomes more marked the wider the disjuncture in dispositional perceptions of the lifeworld."
Für die Praxis: Kommunikationsprobleme nicht als Eigenschaft autistischer Klient:innen behandeln, sondern als relationales Phänomen. Autismusgerechte Anpassungen (direkte Sprache, schriftliche Zusammenfassungen) sind kein Sonderaufwand, sondern Ausgleich eines strukturellen Mismatches.
Raymaker et al. · 2020
Autistisches Burnout ist ein eigenständiges, klinisch relevantes Phänomen – verschieden von beruflichem Burnout und von Depression. Es entsteht durch chronische Überlastung ohne ausreichende Unterstützung. Masking ist der prominenteste Stressor.
"A syndrome resulting from chronic life stress and a mismatch of expectations and abilities without adequate supports."
Klinisch relevant: Masking lehren ist gefährlich (assoziiert mit Depression, Angst, Suizidalität). Spezialinteressen bleiben erhalten – kein Synonym für Depression. Verhaltensaktivierung ist kontraindiziert. Genesung durch Unmasking und Reduktion der Anforderungen.